Brückentöter

Durch Zufall bekam ich via Facebook mit, dass unweit von mir am gestrigen Samstag die 300 Tonnen schwere Patronatsbrücke in Hofolpe mit einem Mega-Kran in einem Stück abgenommen werden sollte. Schon seit fünf Jahren war die Fußgängerbrücke, die über die B517 und die daneben gelegene Eisenbahnlinie Hagen/Siegen führt, gesperrt.

Infos waren, dass gegen Mittag die marode Brücke über dem Tal schweben würde und dann in dem, speziell dafür entstandenen Schotter-Sand-Bett, zu liegen kommen sollte.

So ein Schauspiel wollten mein Sohn und ich uns nicht entgehen lassen und haben uns auf den Weg gemacht, bewaffnet mit Kameras und Co.

Dort angekommen bekamen wir zuerst den Riesenkran zu Gesicht. 66 Meter hoch, fast 8 Meter breit, 850 Tonnen schwer. 50 LKW-Ladungen und 3 Tage Aufbau waren nötig, um den Mega-Raupenkran an Ort und Stelle einsatzbereit zu haben.

 

Die Brücke: 44 Meter lang, 4 Meter breit und, nach den alten Bauplänen von 1964, ca. 300 Tonnen schwer. Gegen Mittag sollte der Hub stattfinden und mit viel Glück bis ca. 17 Uhr dauern.

Warum so lange? Der Kran musste die Brücke erst vorsichtig aus ihrem Liegeplatz heben um sie dann mit äußerster Vorsicht (nur millimeterweise, damit sie nicht zu pendeln anfangen würde) auf das Schotterbett ablegen zu können.
Während des ganzen Hubverfahrens wurden immer weiter Kontergewichte aufgelegt, dass beim ablegen der Brücke, der Kran kein Übergewicht nach vorn bekommt und mitsamt der Brücke kippt. So kamen dann die 850 Tonnen „Leergewicht“ (ohne Brücke am Haken) zustande.

 

Viele Hofolper wollten sich natürlich das Schauspiel nicht entgehen lassen. „Ihre“ Brücke, die sie tagtäglich im Blick hatten, sollte am Abend nicht mehr da sein. Dementsprechend hatten sie „vorgesorgt“: Bratwurst, Getränke, Glühwein und Co als „Brückensnack“ für das Specktakel. Die Mädels von der Tanzgarde „Las Canela Cabras“ hatten sogar Buttons mit den Hashtags „ #Brückentöter #Ichwardabei “ erstellt, die bei den Zuschauern weg gingen „wie warme Semmeln“.

Die Erlöse vom „Brücken-Snack“ und der Buttons kamen einem guten Zweck zu Gute.

Trotz Temperaturen nah am Gefrierpunkt und zwischenzeitig einsetzendem Regen, haben sich die Schaulustigen es sich nicht nehmen lassen, „Ihre“ Brücke schweben zu sehen.

Nach einer größeren Verzögerung konnte der Kran die Brücke endlich in Richtung Boden bewegt werden. Mehr als eine Stunde dauerte es, bis die Fußgängerbrücke schließlich sicheren Boden erreicht hatte.

Zwischenzeitlich hatte man auch das genaue Gewicht der Brücke: stolze 340 Tonnen hingen dort an dem Mega-Kran.

Die Brücke wurde zuerst angehoben, um sie über den Bäumen um 90 Grad zu drehen und dann auf der Bundesstraße im Schotterbett abzulegen.

Dauer des Abheben: ca. 3,5 Stunden (zuzüglich 1,5 Std. vorher für Testhub, Justierung und Verlängerung der Hubseile auf einer Seite).

20 Männer der Firmen „Ora Recycling und Abfallwirtschaft“ und „Franz Bracht“ waren im Einsatz, um eine reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Hier mal die „groben“ Daten des Mega-Krans von TEREX der Firma Sarens aus Belgien:

Technische Daten Terex CC 3800-1 Gittermast-Raupenkran

– 650 t Tragfähigkeit bei 12 m Radius
– Max. Lastmoment 8484 mt
– Errichtung von Windturbinen mit eine Nabenhöhe von bis zu 117 m ohne Superlift
– Aufrichten des 114 m Hauptauslegers mit angebautem 12 m LF und Haken ohne Superliftmast und ohne Hifskran
– Errichtung von Windturbinen mit eine Nabenhöhe von bis zu 170 m mit Superlift
– Gesamtgewicht einschl. 165t Gegengewicht, 24 m Hauptausleger und Unterflasche: 390 Tonnen
– Oberwagen (mit 3 Winden, A-Block und Schnellverbinung): 68 Tonnen
– Oberwagen (ohne Winden, A-Block und Schnellverbinung): 39,6 Tonnen
– Mittelstück mit Abstützungen und Schnellverbinung: 29,6 Tonnen
– max. Gegengewicht: 205 Tonnen
– max. Zentralballast: 50 Tonnen
– Fahrgeschwindigkeit: 1,1 km/h
– Aufbaugewicht gestern ca. 850 Tonnen

– mit der Unterstützung (Auf- & Abbau und um während des Abhebens weitere Kontergewichten auf den Terex aufzulegen) eines 300 Tonnen Autokrans der Firma Bracht

 

Ich hab durch meine Arbeit schon so manche Mega-Maschine zu Gesicht bekommen, doch mal hautnah dabei zu sein, neben so einem Monster zu stehen, ist dann doch mal ein besonderes Highlight. Man kommt sich vor wie ein Zwerg.

 

So…und hier mal ein paar Bilder der Aktion

In den nächsten Tagen wird die Brücke dann mit Hilfe von mehreren Baggern und entsprechenden Presslufthämmern durch die Firma „Ora Recycling und Abfallwirtschaft“ aus Ostrau in Sachsen im Schotterbett zerkleinert und abtransportiert. Schätzungsweise bis zu 60 LKW Ladungen soll der Abriss dann „klein“ sein.

Bis Mitte der kommenden Woche wird dann auch der Mega-Kran wieder abgebaut und zu seinem nächsten Einsatz unterwegs sein. In Einzelteilen auf 50 LKW.

 

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