Gefälschter Gurt

Meine Sammlung diverser Zurrgurte daheim zu Schulungs- und Vorführzwecken hat Zuwachs bekommen: einen gefälschten Gurt. Das heißt, dieser darf auf keinen Fall zur Ladungssicherung benutzt werden; er ist ablegereif, trotz, dass er NEU ist und das Etikett vorweisen kann.

Diesen Gurt hat mir mein Mann mitgebracht, den er vor dem Müll retten konnte, da er weiß, dass ich so ein Negativ-Beispiel gut gebrauchen kann. 😀

Wenn man sich das Etikett richtig anschaut, fällt recht schnell auf, dass dieser Gurt eine Fälschung ist.

Was muss auf dem unbeschädigten und gut lesbaren Etikett drauf stehen?

  • Name und Symbol des Hersteller
  • Prüfnummer und GS-Zeichen
  • Normen nach dem der Zurrgurt
  • Normale Handkraft SHF (Standard Hand Force) in daN
  • Vorspannkraft STF (Standard Tension Force) in daN
  • zulässige Zurrkraft mit Symboldarstellung (LC = Lashing Capacity) in daN (1 daN = 10 N = 1 kp = 1kg)
  • Nutzlänge des Zurrmittels
  • Werkstoff
    • PES (Polyester) = blaues Etikett
    • PA (Polamid) = grünes Etikett
    • PP (Polypropylen) = braunes Etikett
  • Dehnung bei zulässiger Zurrkraft in prozentualer Angabe
  • Herstelljahr
  • Code-Nummer / Rückverfolgbarkeitscode
  • VDI-Konformität
  • Warnhinweis: Darf nicht zum Heben verwendet werden! Nur zum Zurren!

Auf dem  Bild sieht man deutlich, dass die Kraft in der Umschlingung mit 5000 KG angegeben ist und nicht, wie vorgeschrieben, in daN (Deka Newton).

Dann ist dort fälschlicherweise ein CE Zeichen drauf, was auch nicht erlaubt ist.

Die Angaben zum Hersteller fehlen ebenso komplett.

Prüfnummer ist nicht vorhanden.

Die Lange ist hier in L angegeben. (Vorschrift ist, die Längenangaben als LG und LGF anzugeben.)

Hier im Vergleich ein Zurrgurtetikett, was den Vorschriften entspricht.

 

Wie man sieht, kann man bei einem „flüchtigen“ Blick nicht erkennen, warum der Gurt ablegereif, weil nicht zulässig, ist. Es lohnt sich immer, einen genauen und intensiven Blick drauf zu schmeißen. Denn die Gurte sind eine Lebensversicherung.

 

Eine kurze Erklärung der wichtigsten Angaben (Quelle: LasiProfi):

Hersteller

Damit der Zurrgurthersteller zurück verfolgt werden kann, ist auf dem Etikett ein Code angegeben, der sogenannte Hersteller-Rückverfolgbarkeitscode. Die Angaben des Herstellers inklusive Adresse und des Rückverfolgbarkeitscode müssen sichtbar auf dem Zurrgurtlabel und nicht sichtbar eingenäht angegeben werden. Die Kennzeichnung auf den Zurrgurtlabel ist nach der Europäischen Norm EN 292-2:1991, 5.4 auszuführen.

Prüfnummer

Nummer und Teil der Europäischen Norm und Zertifikatsnummer falls ein GS-Zeichen oder TÜV-Zeichen vorliegt.

LC (Lashing Capacity)

Die Lashing Capacity ist die Belastbarkeit des Zurrgurtes, bei alten Gurten kann sie auch noch als Fzul (zulässige Zugkraft) angegeben sein. Die LC gibt die zulässige Zurrkraft beim Direktzurren an. Sie sagt wann die Belastungsgrenze des Zurrgurtes erreicht ist.

STF (Standard Tension Force)

Die Vorpannkraft wird mit STF angegeben und bedeutet „Standard Tension Force“, auch „Normale Spankraft“ genannt. Die ist das Qualitätsmerkmal von Zurrgurten: je besser ein Zurrgurt qualitativ ist, umso höher ist seine Vorspannkraft. Sie wird in daN (Dekanewton) angegeben, ein Dekanewton entspricht ungefähr einem Kilogramm. Der Standard Tension Force (STF) wird in daN angegeben wenn die normale Handkraft SHF (Standard Hand Force) erreicht wird.

Vereinfacht gesagt ist STF die Kraft des Zurrgurts.

SHF(Standard Hand Force)

SHF , auch Handkraft oder Handzugkraft genannt, ist die Kraft, die zum Spannen der Ratsche aufgebracht werden muss. Die Europäische Norm hat sicha auf 50 daN festgelegt. Dies bedeutet, dass ein Gewicht von ca. 50kg, welches an die Ratsche gehängt wird, bewirkt, dass Ratsche und Zurrgurt festgezogen werden.

Vereinfacht gesagt ist SHF die Kraft des Benutzers.

Dehnung

Ein Zurrgurt darf laut Norm maximal eine Dehnung von 7% aufweisen. Die Spanngurte von lasiprofi weisen allesamt eine Dehnung von maximal 5% auf.

Herstellungsjahr

Angabe des Herstellungsjahres.

Werkstoff

Werkstoff des Gurtbandes. Die Etiketten müssen je nach eingesetztem Werkstoff folgende Farben aufweisen:

PES-Gurtband -> blau
PA-Gurtband -> grün
PP-Gurtband -> braun

Längenangabe

Auf dem Zurrgurtlabel sind die Längenangaben als LG , LGF, und LG anzugeben.

LG -> Gesamtlänge bei einteiligen Zurrgurten, gemessen vom äußeren Wenderadius der angebrachten Spannelemente bis zum Ende des Gurtbandes.
LGF -> Länge des Festendes eines zweiteiligen Zurrgurtes, gemessen vom Tragepunkt des angebrachten Endbeschlages bis zum äußeren Wenderadius der Verbindung des Gurtbandes mit den Spanngelementen.
LGL -> Länge des Losendes eines zweiteiligen Zurrgurtes, gemessen vom Tragepunkt des angebrachten Endbeschlages bis zum Ende des Gurtbandes.

Warnhinweis

Angabe zur Verwendung: „Darf nicht zum Heben verwendet werden!“

Benutzerinformation

Nach den Anforderungen der DIN EN 12195-2 wird vorgeschrieben, dass jedem Zurrgurt beziehungsweise jeder Zurrgurteinheit eine Benutzerinformation mitgeliefert werden muss.

 

 

3 comments for “Gefälschter Gurt

  1. 26. März 2017 at 07:28

    Viele würde es bestimmt interessieren ob diese gefälschten Gurte denn auch schlechter sind als die richtigen. Gibt es Unterschiede in der Qualität die signifikant sind?

    • 27. März 2017 at 13:04

      Von der Optik und Haptik her unterscheidet sich dieser Gurt jetzt nicht unbedingt von einem, ich sag mal, richtigen Gurt. Allerdings würde ich behaupten, dass die Qualität an sich, was die Dehnbarkeit, die Reißfestigkeit und die Haltbarkeit gegenüber eines Qualitätsgurtes sehr fraglich ist. Ichhab neulich einem Bericht über die gefälschten Gurte gelesen, in dem diese den gleiche Tests unterzogen wurden, wie die zugelassenen. Dabei kam heraus, dass die falschen bei weitem nicht die Ansprüche erfüllten, wie sie eigentlich sollten. Sie rissen zu schnell, waren zu dehnbar und haltbarer waren sie auch nicht.
      Problematisch wird es, wenn es mit einem gefälschten Gurt zu einem Unfall kommt. Jeder Fahrer sollte, so sagt es die Vorschrift, schauen, ob die Zurrgurte ok sind. Dazu gehört auch das Etikett. Wenn jetzt was passiert, könnte das böse Folgen für den Fahrer haben, da er ja wissen müsste, was darauf zu stehen hat und was nicht. Und bei einer solche auffälligen Fälschung wie bei meinem hier, ist es ja noch einfach, die Fälschung zu erkennen. Aber ich denke mir, dass es sicherlich auch Gurte gibt, wo man es nicht so schnell erkennt.

  2. 23. März 2017 at 21:33

    Ein Artikel mit Mehrwert. Gefällt mir

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