Damals – Heute oder „Die Technik im Wandel der Zeit“

Ein Bekannter und Fahrer – Kollege, Hans, hat mir die Erlaubnis gegeben, seine Worte hier zu veröffentlichen. Und es sind sehr wahre Worte!
Doch lest selbst:

Hi Leute,
hier mal was für die Lkw Fahrer zum Nachdenken, ist etwas lang geworden, aber soviel Zeit muss sein.

Okay es ist warm, und es wird nach Standklima geschriehen, nun hab ich mal so nachgedacht, wie ich angefangen habe, ich hatte einen 290er MAN F8, das war schon viel zu der Zeit, zum einsteigen wurde der Schlüssel ins Schloss gesteckt, nix Zentralverriegelung und Funkfernbedienung, besonders im Winter, wenn das Schloss vereist war, immer ein Erlebnis. Also Tür auf, und eingestiegen, dann die Überraschung, minimalste Technik auf viel Platz verteilt, Schlüssel ins Zündschloss und das Auto gestartet, im Gegensatz zu heute, hat er seinen Start mit blauen Rauch verkündet, nicht wie heute, in Weiß, wie bei der Papstwahl.

Motor läuft, die Anzeige für Druckluft steigt, na ja, im Winter nicht immer, wenn man mal wieder vergessen hatte, Frostschutz in die Bremsenanlage zu füllen, heute sorgt der Lufttrockner für frostfreie Bremsen.

Weiter geht’s, Scheibe ausgefüllt und nochmal umzugelaufen, fertig zur Abfahrt.

Kupplung treten, Gang einlegen, 2 Dinge die schon mal Kraft brauchen, das unsynchronisierte Fullergetriebe schickt liebe Grüße, der Gang ist drin, übrigens wer das Getriebe kennt, hat es geliebt, wer nicht, hatte einfach mal keine Ahnung.

Der Lkw rollt, das Lenkrad ging etwas schwer, aber dafür war der Durchmesser erheblich größer als heute, da musste man schon etwas mehr kurbeln als jetzt, das Lenkspiel war so ca. eine Viertel Drehung.
Die Trommelbremse brauchten schon einen ordentlichen Tritt, wenn sie anschlagen sollten, da fuhr kaum einer auf Socken.

Zählen wir zusammen, schweres Kupplungspedal, schwere Schaltung, schwere Lenkung und eine Bremse die erst reagiert, wenn man fast auf dem Pedal steht, was haben wir heute? Alles easy und leicht.

Jetzt Rollen wir über die Autobahn, Fuß auf dem Gaspedal, Tempomat Fehlanzeige, sind 30 Grad draußen, Klimaanlage auch Fehlanzeige, also Fenster auf, ärgerlich, nur eine Kurbel dran, also wieder ackern, weil die natürlich auch schwer geht.
Was kommen muss, man bekommt Durst, wir haben ja eine Flasche Cola dabei, also erstmal ein Schluck nehmen, okay die hat zwar auch 30 Grad, aber was solls, was sagt uns das wieder, kein Kühlschrank oder Kühlbox, aber wir waren Modern, wir hatten Spiegelhalter für Dosen, da konnten wir die Getränkedosen zumindest auf 25 Grad runterkühlen.

Das Brot in der Brotdose, war schon zur Frühstückszeit hinüber, was solls, wir sind ja Kummer gewohnt. Mehr hatten wir nicht dabei, hätte bei den Innentemperaturen auch kein Sinn gemacht.

Resümee, was haben wir heute, elektrische Fenster und Dachluke, Kühlschrank und Klima.

Jetzt geht’s mit dem Tieflader und der geladene Betonstütze in die Kasseler Berge, Gesamtgewicht liegt bei 60 Tonnen, und dann wird richtig gearbeitet, gut das wir Fullergetriebe fahren, da können wir uns das Kuppeln sparen, Attacke die Berge rauf. Moment, was stand da oben, wir sind ja mit einem 290er unterwegs, dann dauert es wohl etwas länger, bis wir die Bergkuppe erreicht haben, oben angekommen, müssen wir ja auch wieder runter, Retarder Fehlanzeige, aber wir hatten schon eine Motorbremse, das meiste was die gebracht hat, war blauen Rauch, also auf der Bremse gestanden und genauso den Berg runter wie hoch.
Nach 3 Bergen war Pause, die Bremsen mussten abkühlen. Heute im Zeitalter des Retarder und Motorleistung über 400, 500, 600 PS und mehr gar nicht mehr vorstellbar.

Wenn man mit solch einem Lkw quer durch die Städte gefahren ist, war das linke Bein und der rechte Arm, Abends doppelt so dick wie morgens, da war die Pause echt verdient.

Kommen wir noch kurz zu der Winterzeit. Das mit den Bremsen hatte ich ja schon angesprochen, also morgens rein ins Auto, erstmal Eis kratzen, blöderweise Innen und Außen, vorgewärmten Auto gab es nicht, da wurden die ersten Kilometer mit dicken Handschuhen gefahren.

Aber auch da waren wir modern, es gab schließlich schon eine Standheizung, auch wenn sie nur mit Gas betrieben wurde, also Abends Feierabend gemacht, 12 Grad Minus und die Standheizung läuft, irgendwann in der Nacht wacht man auf, gefühlte Eiszapfen an der Nase, Heizung ist aus. Okay, Gasflasche leer, kein Problem, es war ja eine 2. als Reserve an Bord.
Raus in die Kälte, Flasche umklemmt, alles erledigt, Heizung sagt immer noch nichts, super, da hat mal wieder heimlich ein Kollege die volle Flasche gegen eine Leere getauscht. Ergo waren jetzt beide Flaschen leer, hat sich das mit der Heizung auch erledigt.

Was haben wir heute, Standheizung die sich der Diesel aus dem Tank saugt, mit Temperatur und Zeitvorwahl, damit wir morgens in ein vorgewärmtes Fahrerhaus einsteigen können.

Aber wir haben das alles Überlebt!!
Das ganze lässt sich beliebig fortführen, aber ich habe jetzt schon viel zuviel geschrieben, denkt bitte einfach mal darüber nach, was heute am Hilfsmitteln und Technik in den Autos verbaut ist.
Wir haben uns früher nicht beklagt und machen es auch heute nicht, für viele sind die ganzen Helferlein selbstverständlich, für uns alten Hasen nicht, wir würdigen sie, weil wir wissen, dass sie eine Bereicherung sind.

Wenn ihr die Mittel benutzt, überlegt in dem Moment mal, was würde man machen, wenn es sie nicht gäbe.
Da ist der Schrei nach zb. einer Standklima oder Sonstiges das kleinere Problem, hört auf zu klagen, denn dieses Klagen findet auf einem ganz hohen Niveau statt, versucht zu bekommen, was möglich ist, aber seid zufrieden, mit dem was ihr schon habt.

In diesen Sinne, wünsche ich euch allen eine Unfallfreie und gute Fahrt.
Es grüßt der Fahrer der seinen Job nie tauschen würde.

Hans Gödjen

4 comments for “Damals – Heute oder „Die Technik im Wandel der Zeit“

  1. highwayfloh
    15. Juni 2016 at 21:48

    Die ganzen Helferleins sind schön und recht, aber was ist das Resultat?

    Die Dispo hält sich nach wie vor für Gott, wie seit Ur-Zeiten und sichert sich die jährlichen Bonuszahlungen auf unsere Kosten und unserem Rücken, ohne Rücksicht auf Verluste! Ich kann mich nur noch schlapplachen, wenn ich dann die Spots zur Motivation sehe, welche „uns“ gefügig machen sollen … z.B.:

    „Du“ bist das Aushängeschild „unserer Firma“ … wobei ich bei der Bude gar nicht angestellt bin, sondern bei meinem Chef, der Subunternehmer dort ist …

    Der Disponennt schert sich nichts drum, was die banalsten Vorschriften anbelangt… für die soll ich mich engagieren und mir den Arsch aufreissen etc.? Nöö, mit mir nicht mehr, ich mach nur noch Dienst nach Vorschrift… .

  2. Tobi Tobsen
    6. Juni 2016 at 13:43

    Naja, aus meiner Sicht gibt der Text schon die richtige Richtung vor.

    Manche Brummifahrer wissen tatsächlich einige Errungenschaften in Ihrem Fahrzeug gar nicht mehr richtig zu würdigen.

    Die LKW von heute bremsen alleine, halten die Spur alleine, lenken leichter als mancher PKW.

    Und zumindest mir geht es so, das Wehklagen über Arbeitsbedingungen kommt mir besonders bei Brummifahrern sehr laut vor. Siehe dazu z.B. die Petition zur Standklimaanlagenpflicht.

  3. Joachim Seeger
    4. Juni 2016 at 11:29

    Stimmt alles.Ich hatte auch noch Lkw,s mit Zwischengas beim Schalten.

  4. 4. Juni 2016 at 07:07

    Ich gehöre ja auch zu denen, die ohne diese ganze Technik angefangen haben. Allerdings halte ich von diesen Texten alá „Wir hatten das früher nicht und haben trotzdem überlebt“ nichts.

    Das die LKW’s moderner werden, alleine schon aus dem Grund, weil die Anforderungen steigen, ist normal. Daher brauche ich nicht darüber nachdenken, das wir das früher nicht hatten.

    Klar sind die damals ohne (Stand)Klimaanlage in den Orient gefahren und sind auch wieder zurück gekommen. Doch damals ist auch nicht täglich irgendwo ein LKW in ein Stauende geballert, weil er nicht ausgeruht war. Die Zeiten von damals ist mit den heutigen nicht zu vergleichen. Von daher sind solche Geschichten von damals zwar schön zu lesen um sich noch mal daran zu erinnern, aber um mal aufzuzeigen, dass es auch ohne die Technik geht, völlig sinnlos. Ich möchte die Dinge die ich mittlerweile zur Verfügung habe nicht mehr missen.

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