Seltene Begebenheit

Gestern an meiner Ladestelle:
Ich mußte zu einem Stahlhandel und laden. Wäre wird wohl noch nicht fertig sein, meinte mein Büro, aber fahr schonmal hin, liegt ja auf dem Weg. Richtig, da ich eh im Ruhrpott war, macht es keinen Sinn, nach Attendorn zu fahren und anderntags wieder hin.
Ich also zur Ladestelle und mich gemeldet. Wäre war zwar schon fertig, aber leider die Papiere nicht. Kein Problem. Dann wird halt erst am nächsten Morgen geladen.
Ich hab mich auf meinen Parkplatz gestellt und bin dann noch zu den Verladern zum quatschen gegangen. Die sind top in Ordnung und man hat immer ne Menge Spaß mit denen.
Dann mußte ein anderer LKW noch laden…ein Rohr von über 6 Metern und einem Durchmesser, der gerade so unter ner Palette her paßte.
Es war ein Heidenspaß: 2 Verlader und 2 Fahrer haben gemeinsam versucht, dieses Rohr in den 18 Tonnen zu bekommen. Da er schon über die Hälfte geladen war, keine so leichte Aufgabe.
Beim ersten Versuch lag der eine Verlader das erste Mal in der Wiese. Irgendwie hatte sich das Rohr verkantet und da war’s passiert.
Beim wieder raus ziehen gab’s einen Ruck und er lag wieder im Gras. Vor lachen wäre er fast liegen geblieben. 😂
Erst nach umladen und Seite auf, ein bisschen gebastel und viel Lachen lag das Rohr dann endlich an seinem Platz.
Und dann erst die Sprüche dabei: „Du kannst aber so gar nicht mit Deinem Rohr umgehen!“ oder „Hilfe…ich krieg mein Rohr nicht rein!“ Wir hatten Bauchweh vor lachen.

Irgendwann verabschiedeten sich die beiden Verlader und zogen von dannen.
Der Fahrer und ich sind dann zum benachbarten Getränkehändler gezockelt und haben uns jeweils ne Weizenkaltschale organisiert. Wieder ab zu unseren LKW und haben dort bei grad mal 3 Grad fast 4 Stunden über Gott und die Welt gequatscht. Ein Thema kam zum anderen und ruck zuck waren die 4 Stunden vorbei. Naja…zwischendurch mußten wir uns dann doch mal die Jacken anziehen, es wurde recht frisch auf Dauer. 😀
Irgendwann war die Zeit dann doch so weit fortgeschritten, dass wir dann pennen gegangen sind. Ausserdem war es mittlerweile doch sehr fröstelig. 😀

Was mich nachdenklich macht, dass es sowas heutzutage nicht mehr all zu oft gibt. Einfach mal beisammen stehen und quatschen. Wohlgemerkt: der andere Fahrer und ich kannten uns vorher nicht!
Wenn man auf Raststätten oder Autohöfen Feierabend macht, sieht man meist jeden Fahrer für sich in seinem LKW. Oder beim essen sitzt jeder allein am Tisch. Sehr selten sieht man mehrere zusammen, die sich unterhalten. Nein…jeder „kocht sein eigenes Süppchen“, frei nach dem Motto „Lasst mich bloß in Ruhe!“.
Warum eigentlich? Die meisten sind am jammern, weil es unter den Kollegen kein Zusammenhalt gibt. Es scheitert doch schon an den kleinsten Dingen wie einer Unterhaltung! Da kann was „Großes“ erst gar nichts werden!
Nein…da bleibt lieber jeder für sich und das war’s. Frei nach dem Motto: „Lass mich bloß in Ruhe!“
Eigentlich traurig, wo grad wir Fahrer doch zusammenhalten sollten.
Aber ich glaube, das wird nix mehr. Wenigstens nicht im Großenganzen! Ein paar Vereinzelte werden es besser machen, aber der große Teil wird weiterhin sein Dasein als Einzelgänger fristen.
Was soll das denn? Bricht man sich ’nen Zacken aus der Krone, wenn an mal auf andere zugeht? Ud jetzt komm mir keiner mit „Das liegt an sprachlichen Problemen!“ Das ist Quatsch! Auf Raststätten und Autohöfen sind mehr als genug deutsche Kollegen. Nicht alle sind NICHT der deutschen Sprache mächtig.
Ich hab eher den Eindruck, dass man einfach kein Bock hat, sich mit anderen auseinander zu setzen. Sich aber dann im www oder, was ganz beliebt ist, hier bei Facebook ausheulen, dass der Zusammenhalt unter den Fahrern fehlt…oder auch ganz beliebt: andere anschwärzen!
Leute…so wird das nix mit dem Zusammenhalt! Was hat man davon, nur zu jammern oder andere öffentlich zu denunzieren?
Ich kann mir jetzt schon die Antworten vorstellen von vielen (vielleicht sogar den meisten), die das hier lesen/kommentieren: „Ich mache das nie so! Ich gehe immer auf andere zu…zum quatschen oder beisammen sitzen!“
Wenn das wirklich so wäre, hätten wir das Problem doch gar nicht! Dann würde niemand an Ladestellen, Raststätten, Autohöfen allein dasitzen oder stehen. Dann gäbe es dieses Einzelgängerdasein doch gar nicht. Und wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, fällt einem das auch auf.
Was gibt es für einen PLAUSIBLEN und LOGISCHEN Grund, sich NICHT mit anderen zu unterhalten, wenn man schon das gemeinsame „Schicksal“ des Feierabend teilt? Mir persönlich fällt absolut keiner ein!
Leute…wenn Ihr was ändern wollt, fangt bei Euch selbst an und hört auf, andere dafür verantwortlich zu machen! Erst im Kleinen kann Erfolg im Großen bringen!

In diesem Sinne: schönes Wochenende @all!

✔Danika’s Blog

3 comments for “Seltene Begebenheit

  1. 12. Mai 2017 at 14:11

    Hallo

    was dir bei diesem Stahlhandel widerfahren ist, ist in der Tat eine Seltenheit. Vielleicht sind die Lenker aber auch manchmal wirklich abgeschafft und wollen ihre Ruhe, weil sie so kaputt sind. Deinen Einsatz finde ich natürlich überaus löblich. Weiter so 🙂

    • 10. Juli 2017 at 06:06

      Vielleicht hat der Stahlhandel auch ein Personalproblem. Das ist ja heute recht vielschichtig. Zum einen steht der Konkurrenzdruck und auf der anderen die Personalkosten. Da ist es nicht verwunderlich, wenn dich das auch auf die Arbeitsmoral niederschlägt. Ich sehe das auch in anderen Branchen.

  2. Boeschtler
    20. Februar 2016 at 10:29

    Bei uns gibt es routier restaurants. Diese haben meistens genug platz für mehrere züge. Mann kann sich dort mit anderen kollegen treffen und austauschen. Wenn ich auf das ganze keinen bock habe, dann mach ich halt auf einem abgelegenen platz. Dann gibts ne suppe oder pasta und einen gemütlichen fernseh abend.

    Routier Restaurants findest du hier: brummiplatz.ch

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