Eine Branche steuert ins Aus!?

Das europaweite Speditionsgewerbe steuert langsam aber sicher auf einen Aufstand der angestellten Fahrer zu. Löhne, die nur noch für Halbtagsstellen angemessen sind, menschenverachtende Arbeitsbedingungen, sozial unmögliches Gehaltsdumping, keine Einheitliche Umsetzung von EU-Richtlinien,immer weiter sinkende Anerkennung des Berufes als Kraftfahrer … die Liste kann noch um Einige Punkte erweitert werden.

Der für die Fahrer am wichtigsten genannte Grund für die allgemeine Unzufriedenheit und Frustration ist das branchenüblicheLohngefüge. Die Löhne und Gehälter fallen immer mehr ins Bodenlose, und die Anforderungen und Leistungen der Fahrer werden immer mehr.

Früher war der Job einfach mit dem Laden, Fahren und Abladen erledigt, Geschäfte und Lieferungen haben mit Handschlag funktioniert. 

Heute muss ein Berufskraftfahrer im Nahverkehr oft selbst seine Tourtermine planen, den Ladeplan erstellen, selbst das Fahrzeug beladen, die Tour gemäß den vorgegebenen Terminen fahren, beim Kunden selbst wieder abladen, den gesamten Papierkram erledigen, das Fahrzeug in Schuß halten und sich um den Werterhalt kümmern.
Im Fernverkehr ist es ein wenig „einfacher“ – der Fahrer hat mehr „Entspannung“, weil er längere Touren fährt und nicht den ganzen Tag wie ein Lemming durch die Gegend laufen muss. 
Oder? Ganz so einfach ist das Kraftfahrergewerbe leider nicht. 
Wie sieht der Arbeitsalltag des Berufskraftfahrers überhaupt aus?
Der Arbeitstag eines Kraftfahrers beginnt sehr oft mitten in der Nacht, denn die Ware muss oft schon am frühen Morgen in den Lägern und beim Kunden zur Verteilung oder zum Verkauf bereitstehen.
Und das alles und vieles mehr macht ein Berufskraftfahrer für durchschnittlich 1600-1800 Euro brutto.

Der Verkehr auf den Autobahnen und Bundesstraßen wird immer mehr und somit auch gefährlicher.
• Deutschland ist Durchgangsland. Der gesamte Warenverkehr von Nord nach Süd, Ost nach West führt unumgänglich durch Deutschland. Täglich Hunderte von Kilometern Stau, zahllose und endlose Baustellen, viele tragische Unfälle durch rücksichtslose PKW-Fahrer, übermüdete und unaufmerksame LKW-Fahrer.

Ein paar Beispiele:
o PKW-Fahrer scheren sehr oft in die Sicherheitsabstände zwischen den LKW ein, um noch ganz schnell ihre Autobahnausfahrt zu erwischen
o Geschwindigkeitsbegrenzungen und Überholverbote werden lediglich als Empfehlungen angesehen. Es wird auf Teufel komm raus gerast, was das Fahrzeug hergibt – egal ob PKW oder LKW. 
o Sicherheitsabstände sind für viele PKW-Fahrer ein Fremdwort. Kann ein LKW mal einen anderen überholen, wird bis auf oft weniger als 5m Abstand auf den überholenden LKW aufgefahren – und dieser oft noch mit Lichthupe zum Freimachen der Überholspur genötigt.
o Schraffierte Sperrflächen, Richtungspfeile auf der Fahrbahn, durchgezogene Sperrlinien und kurviger Straßenverlauf hinden kaum einen PKW-Fahrer, oftmals lebensmüde Fahrmanöver durchzuführen.
o Ausländische LKWs, die sich auf den Bundesstraßen einen Dreck um die gemäß StVO bindende Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h und vorgeschriebene Sicherheitsabstände scheren.

• In all diesem Chaos hat der Berufskraftfahrer die Aufgabe, sein Fahrzeug mit oftmals vollen 40 Tonnen Gesamtgewicht termingerecht, zügig und sicher durch den Verkehr zu führen. 
Es erweckt den Eindruck, dass die Straßen und Autobahnen als völlig rechtsfreier Raum angesehen werden, da ja auch kaum konsequente und wirksame Kontrollen durch die Aufsichtsbehörden erfolgen. Und nachts schon gar nicht – jedenfalls wurde gerade auf den Bundesstraßen eine eklatante Vernachlässigung festgestellt.

Es gibt kaum einen Fahrer, der nicht vom Chef oder der Disposition unter Zeitdruck gesetzt wird. „… das muss unbedingt noch zum Kunden, der wartet drauf…“, „… der Abholer muss heute unbedingt noch erledigt werden…“
• Natürlich erfolgen diese Weisungen immer nur mündlich, denn Chef wie auch Disponent wissen, dass sie mit einer Fahranweisung, die unter Einhaltung der vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten nicht zu schaffen ist, sittenwidrig gegen die Sozialvorschriften handeln. 
• Weigert sich der Fahrer, der Anweisung nachzukommen, hat er oft mit Kündigung oder anderen arbeitsrechtlichen Konsequenzen zu rechnen, die dann recht zügig von der Geschäftsleitung konstruiert werden.

Wenn der Arbeitstag zuende ist, freuen sich Alle auf ihren Feierabend. Der Angestellte aus dem Büro, der nach 9 Stunden schwerer Büroarbeit nach Hause fährt, der Handelsvertreter, der sich abends aus sein bequemes Hotelbett freut, der Verkäufer aus dem Supermarkt, der abends zu seiner Famile nach Hause kommt und Frau und Hund begrüßt.

Der Berufskraftfahrer, der noch lange nach einem Parkplatz suchen muss hat mit ein paar kleinen Hürden zu rechnen… 
• Das Parken in den Industriegebieten wird von immer mehr Gemeinden und Kommunen entweder durch nächtliche Halteverbote oder durch entsprechende bauliche Maßnahmen wie z.b. durch zu kurze Parkbuchten unmöglich gemacht. 
• Auf Autohöfen muss man wegen der privaten Betriebsführung immer seinen Obulus entrichten – zwischen 5 – 15 Euros pro Übernachtung – die kaum ein Fahrer zum Verzehr oder Einkauf nutzt, weil fast alle Selbstversorger sind. Macht man es doch, greift man meistens auf ein üppiges Angebot aus aufgewärmten und überteuerten Mahlzeiten zu, die genauso lieblos wie auch geschmacklos zubereitet werden.
• Bereits ab dem späten Nachmittag sind die Raststätten und Parkplätze oft schon hoffnungslos mit LKWs überfüllt. Es wird zwar vereinzelt an neuen Parkplätzen gebaut, wer jedoch die deutsche Gemütlichkeit von Bauarbeitern kennt, kann abschätzen, wann dieses Problem beseitigt sein wird.
• Auf vielen Autobahnparkplätzen oder Bundesstraßenparkplätzen steht man irgendwo in der Wildnis.
o … ohne Möglichkeit, menschenwürdigesanitäre Einrichtungen benutzen zu können
o … ohne Möglichkeit, sich „kulinarisch“ verpflegen zu können
o … ohne Möglichkeit, dem Bedürfnis nach Körperhygiene angemessen nachzukommen.
• Zur Ruhe kommt er trotzdem kaum, weil die allerwenigsten Parkplätze durch angemessene Schallschutzvorrichtungen verfügen und meist so gebaut sind, dass man mit dem Führerhaus in Richtung Fahrbahn steht.
• Davon abgesehen sind trotz vieler Versprechen der Politik keine nennenswerten Veränderungen in der Parkplatzsituation zu beobachten. Es wird zwar etwas gebaut, jedoch wissen oftmals die zuständigen Straßenverkehrsämter nicht einmal, wo die Parkplätze gebaut werden sollen.

• Zum Schlafen selbst stehen dann ein Lattenrost und 5cm Schaumstoff bei 70cm Breite zur Verfügung. 
o Eine rückenschonende Gesundheitsmatratze ist für die LKW-Hersteller scheinbar ein Fremdwort – denen sind Verbrauchswerte und gegen saftige Aufpreise erhältliche Zusatztechnik wichtiger, ansatt diese serienmäßig in die Fahrzeuge einzubauen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.
o … in einer Fahrerkabine, die gerade mal Stehhöhe hat und über ca. 5qm Gesamtfläche verfügt.
Anmerkung: Jedem Strafgefangenen stehen gemäß Amnesty International 9qm Zellenfläche zu …
o … in einer Fahrerkabine, die – falls der Fahrer seinen Nachtdienst erledigt hat – tagsüber in der prallen Sonne steht und sich hier auf 40-50 Grad und mehr Innentemperatur aufheizt
Jeder wird sich bestimmt erinnern, wie schön warm es im PKW ist, wenn er im Sommer eine halbe Stunde auf dem Supermarktparkplatz gestanden hat.
Warum Standklimaanlagen nicht jetzt schon zur vorschriftsmäßigen Ausstattung von LKW gehören, ist uns ein Rätsel.
Wie ein verantwortungsvoller Kraftfahrer so seine tägliche Ruhezeit verbringen soll, ausgeruht und munter seinen nächsten Arbeitstag hinter sich bringen soll – wir empfehlen, selbst einmal diesen Test zu machen.
Einer Vergrößerung der Fahrerkabinen steht die festgeschriebene maximale Länge der Fahrzeuge entgegen, die natürlich von den Spediteuren auf maximale Anzahl der möglichen Stellplätze für Ladung gefordert wird. Es bleibt also kein Platz für größere Fahrerkabinen, wenn diese Längenbegrenzung nicht geändert wird – zu Gunsten der Fahrerhäuser.

Der Umgangston bei den Discountern und Kunden ist oft sehr menschenverachtend. Ok, wer kein dickes Fell hat, ist in der Branche eh falsch, aber jeder Fahrer hat ein Recht auf respektvolle Behandlung.
• Trotz zugesagter und gebuchter Zeitfenster werden diese vom Kunden oftmals nicht eingehalten. Verpasst der Fahrer verkehrsbedingt durch Stau sein Zeitfenster, wird er „aussortiert“ und kann stundenlang auf sein Abladen warten.
o Hier kommt er auch kaum zur Ruhe, weil diese Wartezeit zum Einen als Bereitschaftszeit und somit als Arbeitszeit gewertet wird und zum Anderen der Fahrer jederzeit damit rechnen muss, vom Pieper zum Anfahren der zugewiesenen Rampe aufgefordert zu werden. Von Ausruhen oder gar Schlafen kann hier auch kaum die Rede sein.
o Viele Discounter haben nichtmal ein solches Pieper-System. Hier wird dem Fahrer abverlangt, pausenlos wie ein Kaninchen auf eine Anzeigentafel zu starren, bis er aufgerufen wird. Oder die Aufrufe erfolgen über eine Lautsprecheranlage, die ähnlich wie die Ansagen auf den Bahnhöfen kaum zu verstehen ist.
o Saubere und funktionierende sanitäre Einrichtungen für die Fahrer trifft man in den allerwenigsten Fällen an. Toiletten sind oft derart dreckig und auch zerstört, dass eine Benutzung weder aus hygienischen noch praktischen Gründen möglich ist. Klartext: Man ekelt sich und verkneift es sich lieber.

• Beim Abladen der LKW beim Discounter erledigt der Fahrer oftmals die Arbeit, für die die Lagerarbeiter zuständig sind. Sortiertes Abstellen der Palettenware, Entfernen von Folien und Verpackungsmaterial, Umpacken von Mischpaletten, Einscannen von Etiketten, es feht nur noch das Einräumen in die Regale. 
• Entladehilfsmittel und Ameisen werden von den Discountern scheinbar wie Goldstaub gehütet. Zum Betrieb muss man fast immer einen Pfand für einen Ameisenschlüssel abgeben – an dem zur Sicherung gegen Diebstahl eigentlich nur noch die Kette mit einer Autofelge fehlt. Hier wird immer der LKW-Schlüssel als Pfand gefordert. 

Aus versicherungstechnischer Sicht ein Skandal, denn der Fahrer hat während der Entladung keine Möglichkeit zu kontrollieren, was draussen an seinem LKW passiert. Natürlich muss der Fahrer die einfachen Ameisen benutzen und oft lange Wege im Lager laufen, während die Lagerarbeiter des Discounters natürlich die Mitfahrerameisen mit einem Stehplatz benutzen.

• Fehlt mal irgendwo eine Ameise, kommen dumme Kommentare des Lagerpersonals: „… Da hinten steht irgendwo eine, musst Du Dir holen…“
• Hat man gewartet, seine Ware abgeladen, erfolgt die Zählung und Kontrolle der Ware – wieder Warten.
Ist das erledigt, erhält man seine Papiere – nachdem man wieder an der Ausgabe gewartet hat.
Anschließend fährt man eine andere Rampe an – und wartet wieder – wo man dann seine Tauschpaletten erhält.
• Und zu Guter Letzt erklärt man im Anschluß der Entladung seinem Chef am Telefon, warum das alles so lange gedauert hat.

Diesen alltäglichen „Spaß“ macht der Berufskraftfahrer jeden Tag von Neuem mit und ist oftmals die ganze Woche oder mehrere Wochen am Stück in seinem LKW unterwegs. 

Er verliert alle sozialen Kontakte und Freunde, ist getrennt von Frau und Haus, ein telefonischer Kontakt ist ausserhalb von Deutschland mit erheblichen Kosten verbunden.

Ein realer Zigeuner und Vagabund mit unmenschlichem Camping-Charakter-Hintergrund auf Europas Straßen.

Er muss dies alles innerhalb seiner gesetzlich vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten schaffen, und trotzdem seine weiteren Kundentermine im Auge behalten.

Mindestlöhne
Den meisten Fahrern ist die Bezahlung das wichtigste im Beruf. Aus verständlichen Gründen. Miete, Verpflegung und Essen, Kredite – die Liste ist frei erweiterbar.

Die Entlohnung sinkt immer weiter in den Keller. Durchschnitte liegen bei zur Zeit 1400 – 1700 Euros bei einer Monatsarbeitszeit von oft bis zu 240 Stunden und mehr.
Ein Rechenbeispiel:
• Ein Berufskraftfahrer „darf“ pro Woche täglich 13 Stunden Arbeitszeit erledigen. In dieser Zeit sind die Fahrzeit und Wartezeiten enthalten. 
o Hier ergibt sich eine tägliche Ruhe / Pausenzeit von 11 Stunden.
• Die tägliche Arbeitszeit von 13 Stunden „darf“ dreimal pro Woche auf 15 Stunden verlängert werden.
o Hier ergibt sich eine tägliche Ruhe / Pausenzeit von nur 9 Stunden.
• Die täglich mögliche Fahrzeit von 2x 4,5 Stunden „darf“ 2x pro Woche auf 10 Stunden verlängert werden.

Nun gibt es Firmen und Unternehmen, die noch nie etwas von einem Arbeitszeitgesetz gehört haben und sich in ihrer Disposition nur an diesen beschriebenen Möglichkeiten orientieren und die höchstmögliche Arbeitszeit disponieren.

Also dreimal die Woche 15 Stunden und zwei mal 13 Stunden. Ziehen wir hiervon jeweils 45 Minuten Pause für den Fahrer ab – denn mehr steht dem Fahrer während seiner Fahrzeiten nicht zu – kommt man auf wöchentlich knapp 67 Stunden Arbeitszeit. Macht im Monat 268 Stunden Arbeitszeit.

Auf einen Monatslohn von vielleicht 1200,- Euro netto ergibt das einen Stundenlohn von nicht einmal 4,50 Euro.

Nun wollen viele Chefs das mit sogenannten „Prämien“ aufpeppen, die jedoch willkürlich und jederzeit gekürzt oder wieder eingestellt werden können. Hat der Fahrer einen Schaden am Fahrzeug, oder Termine nicht eingehalten oder schafft es zeitlich nicht, das Fahrzeug aufzutanken bevor er es abstellt, bekommt er Prämienabzug. Ein Recht auf diese Zahlungen kann er in den wenigsten Fällen durchsetzen oder einklagen.

Abgesehen davon werden mit diesen Prämienzahlungen die entsprechenden Sozial- und Rentenbeiträge vom Chef eingespart – die jedoch später im Rentenalter empfindliche Einbußen bedeuten.

Die Spesenzahlungen werden eh von der Verpflegung unterwegs und den Parkgebühren aufgefressen.

Daß die meisten Fahrer für dieses Arbeitspensum und diese Anforderungen an den Beruf eine angemessene Bezahlung fordern, ist sicherlich nachvollziehbar. 

Selbst Sachverständige sind mittlerweile der Meinung, dass die Gehälter von Berufskraftfahrern eigentlich sofort um 50% und mehr angehoben werden müssten, um dieser Leistung gerecht zu werden.

Spesensätze
Die gezahlten Spesensätze in Deutschland sind schon seit langem nicht mehr zeitgemäß. In jedem andern Land Europas wird mehr an Spesen gezahlt als in Deutschland. 
• Durchschnittliche Parkgebühren auf Autohöfen von 10 Euros pro Übernachtung
• Duschen für 3 Euros täglich
• Eine durchschnittliche warme Mahlzeit 9,50 Euros
• Toilettenbenutzung auf den Rastatätten pro Gang 0,70 Euro.
• Getränke sind hier noch gar nicht mit berücksichtigt.
Mit 24 Euros kommt man da rein rechnerisch nicht mehr hin, und es gibt tagtäglich noch einige andere unabsehbare Ausgaben für den Berufskraftfahrer. Es wird also hier noch permanent draufgezahlt.

Lenk- und Ruhezeiten
Das Rechenbeispiel für die monatliche Arbeitszeit wurde weiter oben bereits beschrieben.

Der Berufskraftfahrer erbringt eine tägliche Arbeitsleistung von 13-15 Stunden. Die möglichen Verlängerungen dieser Zeiten werden von vielen Unternehmen gnadenlos ausgenutzt. 

Vergleicht man diese Arbeitszeiten mit denen eines normalen Büroangestellten oder einer Kassiererin im Supermarkt stellt sich die generelle Frage: Aus welchem Recht wird in dieser Branche eine dermaßen lange Arbeitszeit mit dieser immensen Verantwortung bei derart mieser Bezahlung gefordert?

Damit ein Berufskraftfahrer seiner Arbeit ausgeruht und verkehrssicher nachkommen kann, ist eine Senkung der täglichen Arbeitszeit auf 10-11 Stunden komplett bald unausweichlich.

Abgesehen davon beissen sich die Möglichkeiten der nutzbaren Lenkzeiten eklatant mit dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG) §21a Abs.4: Die Arbeitszeit darf 48 Stunden wöchentlich nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu 60 Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von vier Kalendermonaten oder 16 Wochen im Durchschnitt 48 Stunden wöchentlich nicht überschritten werden. 

Somit würde sich durschnittlich nur eine nutzbare 9,6 Stunden Arbeitszeit pro 5-Tage-Woche ergeben, wenn man die Vorgaben dieses Gesetzes einhält.

Be- und Entladeverbot
Die allerwenigsten Kunden ermöglichen es dem Berufskraftfahrer, während der Be- oder Entladung im Fahrzeug zu verbleiben.

Es gibt kaum einen Discounter, der nicht vom Fahrer erwartet, dass er sein Fahrzeug selbst be- und entlädt, obwohl dies gegen das Handelsgesetzbuch verstößt, welches nur die Geschäftsbeziehung zwischen Kaufleuten regelt – nicht aber die zwischen Kunden und Fahrpersonal. 

Klartext: es existiert bereits ein Be- und Entladeverbot für die Fahrer, welches aber stillschweigend und duldend umgangen wird. Lädt oder entlädt der Fahrer nicht selbst sein Fahrzeug, könnte es die letzte Tour für den Spediteur bei diesem Kunden gewesen sein. 

Oftmals wird auch verbotswidrig von den Chefs gefordert, dass der digitale Tachograf, der alle Lenk- und Ruhezeiten auf einer Speicherkarte aufzeichnet, vom Fahrer auf Pause gestellt wird – um so wertvolle Arbeitszeit zu sparen, die dann noch für den Rest des Tages zur Verfügung steht.

Eine entsprechende Kontrolle der zuständigen Behörde (BAG – Bundesaufsichtsamt für Güterverkehr) findet so gut wie nie statt.
Zitat des Pressesprechers des BAG Köln vom 12.April 2013 auf meine Anfrage:

…zur Durchführung von bundesweiten Straßenkontrollen, die grundsätzlich auch an Wochenenden und an Feiertagen stattfinden, waren im Jahr 2012 beim Bundesamt für Güterverkehr 245 Stellen besetzt.
Insgesamt wurden 606.099 Fahrzeuge auf die Einhaltung der Vorschriften verschiedener Rechtsgebiete kontrolliert.
Selbstverständlich werden hierbei auch die Kabotagebestimmungen durch den Straßenkontrolldienst überwacht. 
Die Kontrolle der Kabotagebestimmungen sind Teil der GüKG-Kontrollen. 
Allein in diesem Rechtsgebiet wurden 108.837 Fahrzeuge von EU-Unternehmen kontrolliert, dabei wurden 484 Verstöße festgestellt. 
Im Vergleich dazu wurden 98.282 Fahrzeuge gebietsansässiger Unternehmen kontrolliert und 52 Verstöße festgestellt. 
Für eine Änderung seiner Kontrollpraxis sieht das Bundesamt aktuell keinen Anlass…

Ob hier der Wille zur Mehrarbeit oder einfach nur mangelnde Einsicht oder fehlendes Personal der Grund ist, ist für mich nicht nachvollziehbar. Es erweckt den Eindruck, dass das BAG sich nur auf lukrative und einfache Arbeit konzentriert, welches den Beamten eine angenehme Tätigkeit garantiert – auf den Autobahnen im warmen und gemütlichen Fahrzeug – auf der Lauer liegend.

Streikrecht
Die aktuelle Gesetzgebung in Deutschland verbietet es dem normalen Berufskraftfahrer, zu streiken. Generell ist eh nur eine Gewerkschaft berechtigt, einen Streik auszurufen, und dies auch nur für die angeschlossenen und organisierten Mitglieder der Gewerkschaft.

Alle anderen Arbeitnehmer haben hier weder eine rechtliche noch arbeitstechnische Möglichkeit, sich an solchen Streiks zu beteiligen, es sei denn, sie sind bereit, Schadenersatzforderungen oder arbeitsrechtliche Konsequenzen in Form einer Kündigung wegen Arbeitsverweigerung in Kauf zu nehmen.

Die einzige Möglichkeit der Fahrer, auf ihre Probleme aufmerksam zu machen besteht darin, Demonstrationen durchzuführen.
Mittlerweile organisieren sich Hunderte von Fahrern in sozialen Netzwerken und haben auch schon mit verschiedenen Aktionen und Veranstaltungen auf ihre Probleme aufmerksam gemacht.

Jedoch fehlen diesen Gruppierungen die Möglichkeiten, sich bei der Politik entsprechendes Gehör zu verschaffen, weil Vereine und Gruppierungen aus sozialen Netzwerken kein Anhörungsrecht in Fachausschüssen und Gremien in der Politik haben.

Um hier also Änderungen herbeizuführen, ist der Weg über die Politik erforderlich, der den Politikern auch unmissverständlich aufzeigt, dass die Berufskraftfahrer die gesamte Wirtschaft in Deutschland und Europa aufrecht erhalten. Denn jegliche Ware – völlig egal was es ist – muss auf den letzten Metern ins Geschäft mit einem LKW transportiert werden. Die gesamte Bevölkerung ist also auf diesen Berufsstand angewiesen.

Aber es macht auch den Eindruck, dass dieser Zustand insgeheim von der Politik gewünscht ist.

Es mag sich jeder selbst ausmalen was passiert, wenn dieses soziale Pulverfass zur Explosion kommt und doch einmal durch wilde Streikaktionen von wütenden Fahrern Autobahnen und Warenfluss lahmgelegt werden – auch wenn es rechtswidrig ist.

Medien und Öffentlichkeit
Es wird ja ab und an über die Berufskraftfahrer berichtet. Meist jedoch nur in Verbindung mt Unfällen und Staus, über Autobahnverstopfer und Schnellfahr-Behinderer. 

Ist mal ein einigermaßen objektiver Bericht im Fernsehen oder in der Zeitung zu finden, werden hier fast nur die oberflächlichen Fakten aufgeführt, Probleme vertuscht oder ausgelassen. 

Niemanden interessiert, was der Berufskraftfahrer für einen verantwortungsvollen Job macht, sowohl auf der Straße wie auch volkswirtschaftlich. Just fishing for Quotes.

Die Supermarktregale sind ja immer voll, und viele denken sich das alles so nach dem Motto: Wozu Kraftwerke, bei mir kommt der Strom aus der Steckdose.

Was für Arbeit und Logistik dahinter steckt, weiss niemand, und es wird auch nicht darüber berichtet – es interessiert niemanden.

Kraftfahrer werden nur als potentielle Gefährdung und Behinderer angesehen, als Rambos auf der Straße, die generell an allen Unfällen schuld sind und als die Melkkühe der Nation, wie Sklaven mit einem Barcode im Nacken. Nur als austauschbare Kostenfaktoren. Dreckig, stinkend, unhöflich, kaum der deutschen Sprache mächtig, unpünktlich und frech.

Die Tatsache, dass mittlerweile deutsche Speditionen mit Niederlassungen in Osteuropa Philippinisches Fahrpersonal einstellen, die dann für gerade mal 680 Euros im Monat diesen Job machen, verschärft die Wut der Fahrer auf die Politik.

Daß diese betroffenen Unternehmen versuchen, diese Probleme mit immer mehr Lohdumping noch weiter nach unten zu drücken, ist ein Skandal.

Es müssen deutlich schärfere und konsequentere Kontrollen der bestehenden Gesetze und Vorschriften her. 
Wir brauchen keine neuen Gesetze und Vorschriften – die bestehenden müssen nur energischer und dauerhafter kontrolliert werden. 
• Mehr Überprüfungen in den Betrieben
• Verbot von Briefkastenfirmen im Ausland
• Kontrolle der Kabotage bzw deren komplette Aussetzung, bis europaweit einheitliche Arbeitsbedingungen geschaffen wurden
• Mehr Verkehrskontrollen
o Geschwindigkeiten, Geschwindigkeitsbegrenzer von LKW
Kontrollen nicht nur auf den Autobahnen, sondern verstärkt auf den Bundesstraßen, hier sind für LKW nur 60 km/h erlaubt
o komplette Überholverbote in Baustellen
Es sollte in Baustellen ein generelles Überholverbot für alle Fahrzeuge geben, versetztes Fahren
o Ladungssicherung
o Technische Zustände der Fahrzeuge
o Ausreichende Sprachkenntnisse, um Verkehrsschilder, Hinweistafeln und Beschriftungen auch verstehen zu können

Es sind viele Fakten, die dem Berufskraftfahrer ihre Tätigkeit immer mehr vermiesen. 
• Die Branche klagt über Fahrermangel – meiner Meinung nach ein hausgemachtes Problem, denn die Speditionen bilden nicht selbst aus oder einfach zu wenig und überlassen das den Arbeitsagenturen und Fahrschulen
• Die Branche zahlt mies und ungerecht
• Die Branche nutzt alle nur erdenklichen Möglichkeiten aus, bestehende Gesetze und Sozialvorschriften zu umgehen und die Fahrer dazu zu nötigen
• Der menschliche Umgangston gibt eher das Bild moderner Sklavenwirtschaft wieder

Wen wundert es nun noch, wenn der Beruf immer unattraktiver wird und niemand mehr auf dem LKW arbeiten will? 
Die gesamte Bevölkerung ist auf diese Branche zwingend angewiesen, und wenn hier nicht bald gehandelt wird, werden unabsehbare Probleme auf die gesamte Wirtschaft in Europa zukommen.

Es wird Zeit, dass der Beruf des Kraftfahrers endlich als das anerkannt wird, was er ist: die Versorger der Nation. Ohne den LKW bleiben die Tankstellen ohne Sprit, die Supermärkte ohne Lebensmittel, der gesamte Handel ohne Nachschub und kein Rad dreht sich mehr in den Produktionen, weil das Material fehlt oder Produkte nicht mehr ausgeliefert werden.

Es muss Schluß sein mit der menschenunwürdigen Behandlung der Berufskraftfahrer, die nur als Hilfsarbeiter mit Führerschein angesehen werden. 

Es müssen gleiche Bedingungen für alle Betroffenen – sowohl Fahrer wie auch Unternehmen – in ganz Europa her, denn es kann nicht sein, dass trotz EU-Richtlinien und –vorschriften jedes Land seine eigenen Spielregeln aufstellt oder diese einfach ignoriert und nicht beachtet.

In den Unternehmen müssen die Rechte der Fahrer z.B. durch zwingendes Vorhandensein eines Betriebsrates gestärkt werden, damit sie endlich die unhaltbaren Zustände ohne Befürchtung von arbeitsrechtlichen Sanktionen ans Tageslicht bringen können.
Es liegt der Verdacht nahe, dass dieser Zustand der Uneinigkeit von der Politik gewollt ist, sich niemand für diese Probleme verantwortlich fühlt und der schwarze Peter immer wieder jemand anderem zugeschoben wird.

Vielleicht habe ich jetzt mit diesen Ausführungen ein wenig aufmerksam gemacht.

Es muss ein Ende damit haben, dass die ernsthaften Probleme einer gesamten Branche mit über 1 Million betroffener Berufskraftfahrer nicht ernstgenommen werden.

Mit freundlicher Genehmigung von
Truck’nCountry
www.truckncountry.de

2 comments for “Eine Branche steuert ins Aus!?

  1. Michael Fahrenholz
    6. August 2014 at 22:06

    Sehr gut beschrieben….unser tägliches Leid im Job….nur die wenigsten Leute wissen garnicht was es heisst….3 mal pro Woche 15std zu malochen….
    Mach weiter so….mit dem Blog…
    Und für die Zukunft alles Gute….

  2. 10. Juli 2014 at 23:49

    Verdammt guter Artikel, werde ihn am WE zu meiner „Zu Lesen-Liste“ in meinem Blog hinzunehmen.

    Eines hast Du jedoch vergessen zu erwähnen:

    Passiert dann aufgrund der ganzen Hetze mal ein Schaden … dann jammen die Chefs (Subunternehmer) aber so rum, als ob sie das ganze aus der eigenen Tasche zahlen müssten, obwohl sie genau für solche Fälle versichert sind. Wo gehobelt wird, fallen auch eben Späne, auch mal häufiger, auch wenns nicht schön ist… aber keiner richtet nen Schaden mutwillig an…

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