Schikane, Unbedachtheit oder doch Berechnung der Arbeitsagentur?

Ein sich in einem befristeten Arbeitsverhältnis befindlicher Arbeitnehmer muss sich laut Gesetz, 3 Monate vor Ablauf der Befristung bei der zuständigen Arbeitsagentur arbeitssuchend melden. Was er auch getan hat. Nun folgt das übliche Prozedere unter Anderem am Telefon: persönliche Angaben werden gecheckt, Unterlagen zum Ausfüllen zugeschickt, Ermahnungen ausgesprochen, dass man persönlich noch vorbeischauen muss. Alles wurde brav mit ja und ok beantwortet und schon war Ruhe. Denkste! Dass der AN bei dem Telefonat deutlich gesagt hatte, dass er weiterhin im Unternehmen bleibt, überhörte die Dame am Telefon mit den Worten: „Aber es kann ja immer was dazwischen kommen!“ Klar, Recht hat sie, dennoch blieb ein fader Beigeschmack in diesen Worten. Aber auch hier hat der AN mit Freundlichkeit geantwortet, dass das ok sei.

Die Unterlagen kamen dann auch ein paar Tage später per Post. Und zur Überraschung des AN auch noch mehrere Aufforderungen zur Bewerbung! :-O Völlig verdattert ha er seine Arbeitsagentur kontaktiert und um Klärung des Sachverhalts gebeten. Die Antwort des am anderen Ende der Leitung befindlichen Servicecentermitarbeiters war: „Da Sie sich arbeitssuchend gemeldet haben, werden Sie sofort in unserem System als arbeitslos geführt und bekommen dementsprechend Aufforderungen zur Bewerbung zugesandt.“ Auf die Frage, ob er sich denn darauf bewerben müsse, weil er ja im Unternehmen bleiben würde, bekam er zur Antwort: „Natürlich, sonst drohen Ihnen Konsequenzen!“ Welche Konsequenzen, wenn man weiter im Unternehmen bleibt?
Da der AN die Mailadresse seines Beraters hatte, kontaktierte er diesen mit der Bitte um eine Lösung. Diese war auch recht schnell gefunden. Keinerlei Aufforderungen zur Bewerbung mehr, bis kurz vor Ablauf der Befristung; dann würde wieder Kontakt aufgenommen. Für beide Seiten ein befriedigendes Ergebnis. Bis….

….da wieder eine Aufforderung zur Bewerbung kam und diese echt dem Fass den Boden ausgehauen hat!
Der AN hatte vor einiger Zeit bei einer Firma gekündigt, mit der Begründung und den entsprechenden Nachweisen, dass diese sich nicht an gesetzliche Regelungen und Gesetze gehalten hatte. Um keine Konsequenzen von der Arbeitsagentur befürchten zu müssen, hat er seinen Anwalt ebenso die Leistungsabteilung der AA über diese Vorkommnisse informiert und die vorliegenden Beweise angezeigt. Ende der Geschichte: Kündigung des AN wurde von der AA ohne Beanstandung akzeptiert. Im gleichen Atemzug wurde eine Sperre für eventuell kommende Bewerbungen für diese Firma vermerkt und gespeichert!
Nun kam aber diese Aufforderung zur Bewerbung für eben genau diese besagte Firma! Mit deutlichen Worten sich dort vorzustellen!! Dem AN ist vor Wut die Spucke weg geblieben.
Was hat sich die AA dabei gedacht, einen Arbeitslosen (in diesem Falle ja eher einen AN) wieder zu einer Firma zu schicken, die ja nachweislich nicht unbedingt das Gesetz befolgt? War das Schikane oder doch Unbedachtheit? Oder hat die Statistik der AA es so nötig, bereinigt zu werden? Oder ist es der AA gar egal, was mit dem AN bei den Firmen passiert, Hauptsache, sie sind aus deren Arbeitslosenlisten raus? Gelten bestehende Gesetze für die AA selbst nicht oder haben sie nicht nachgedacht? Und warum wurde die Sperre zur Bewerbung bei dieser Firma wieder aufgehoben?

Persönlich finde ich dieses Vorgehen der Arbeitsagentur eine Frechheit. Da diese Bewerbungsaufforderungen über den zuständigen Sachbearbeiter gehen oder, wie in diesem Fall, von ihm persönlich kommen (er war auch vorher schon für diesen AN zuständig, also auch zur Zeit der Arbeitnehmerkündigung), kann man hier die AA in keinster Weise verstehen. Klar, man hätte jetzt noch die AA um Stellungsnahme bezüglich dieses Fauxpas beten können, aber warum sich aufregen, wenn der AN die schriftliche Zusage seiner Firma zur Weiterbeschäftigung vorliegen hat? Aber vielleicht bekommt er ja nochmal eine Gelegenheit der Nachfrage ob dieses Vorfalls!

13 comments for “Schikane, Unbedachtheit oder doch Berechnung der Arbeitsagentur?

  1. meyer
    18. Januar 2017 at 12:19

    Das Jobcenter macht mich kränker als meine kapute Bandscheibe,das Risiko Lehmungen auf sich zu nehmen ist wohl Sinn und Zweck der Schikane .Was tut dieser Staat uns Arbeiter an ,muß ich demnächst um ein Rollstuhl Betteln wie die Rumänen auf der Straße.Man klaut einem die Selbstbestimmung der Staat schlägt auf Menschen ein die gerne arbeiten würden,und nehmen einem das Selbstbewußtsein u. Würde.
    Warum habe ich bloß gearbeitet dann hätte ich wenigstens noch eine Wirbelsäule um Flaschen zu sammeln.

  2. andi
    9. März 2015 at 14:58

    Auch wenn ich kein Trucker bin, bin ich doch ein Leidender von Arge oder Jobcenter.

    Kaum eine Person, die länger als ein Jahr arbeitslos war ( Harz IV ), kann „Gutes“ über den Verwaltungsapparat Arge oder Jobcenter berichten. Denn nichts anderes sind diese Behörden. Schikane ist Tagesprogramm – Vermittlung von Jobstellen oder überhaupt vernünftigen Jobstellen – Fehlanzeige (Persönlich kann ich darauf sowieso verzichten)! Dies ist aber nicht erst seit „Heute“ bekannt, sondern war schon immer Tagesprogramm von Arge und Jobcenter. Und wenn Sie anfangs auf geringfügiger Basis arbeiten, um die Bezüge zu reduzieren und der Spirale der Arbeitslosigkeit zu entkommen, werden Sie von Arge und Jobcenter noch mit – Briefen – permanent schikaniert. Einfach Nachweise wie Gehaltsabrechnung reichen da nicht aus. Nein, die Arge will noch eine schriftliche Bestätigung mit Auszahlungsdatum vom Arbeitgeber, Kontoauszüge sowieso ..

    Kein Wunder, dass viele verleitet sind „Schwarz“ zu arbeiten, denn was Sie alles ausfüllen müssen und 1000-mal bestätigen müssen ist Idiotie, Schikane, Papierverschwendung – einfach krank oder nett ausgedrückt – überhaupt nicht zeitgemäß!

    Doch der ARD-ZDF-Bevölkerung präsentiert man anderes Bild, der faule und unwillige Arbeitslose. Und einige Unternehmen reiben sich dabei noch die Hände, werden sie doch finanziell unterstützt (subventioniert). Dabei sind doch gerade die Arge und Jobcenter der größte Teil an Arbeitslosen plus die Zeitarbeitsarbeitsfirmen. Aber die Masse an Bevölkerung will es nicht verstehen, daher lieber nach unten „Treten“ – anstatt die Strukturen oder das System mit Arbeit und Lohn überhaupt mal zu hinterfragen. Zum Kotzen mit der Masse an Dummheit (sorry!)

  3. David Engmann
    11. Juli 2014 at 20:10

    Hallo es ist doch überall das selbe, die vom Arbeitsamt kommen nicht in die Gänge um die Menschen zu entlasten, nur dumme Bewerbungstrainings und geschwaffel.

  4. 3. Mai 2014 at 00:03

    Wer mich im Netz schon mal gegoogeld hat, weiss wer ich bin und dass ich nicht nur hier im Blog kommentiere und wird diverse Hintergründe von mir wissen.

    Vorne weg:

    Auch wenn ich wieder seit jetzt gut 4 Jahren – wieder – LKW fahre, hatte ich zwischendurch eine Umschulung zum Steuerfachangestellten gemacht und diese auch bestanden. Die Umschulung war nicht ohne!

    Sie beinhaltete auch „Arbeitsrecht“. Von daher ist zu sagen, dass man sich als AN mit Angaben gegenüber der AA aufs Minimum beschränken sollte und auch wenn es Stress bedeudet, dass alles weitere zuerst über einen spezialisierten Anwalt kommuniziert wird. Ansonsten ist man regelrecht ausgeliefert so traurig es auch ist.

    Mir gings damals ähnlich:

    Als ich mir nach langem Kampf die Umschulung gesichert hatte, bekam ich auf einmal eine neue Sachbearbeiterin (frisch aus der Ausbildung übernommen) zugeteilt und ich hatte schon die Umschulungsbestätigung in der Tasche.

    Von dieser Sachbearbeiterin bekam ich eine Woche später einen Schrieb mich zu bewerben und auch das übliche Konsequenzen-Bla-Bla. Daraufhin bin ich zu dieser Dame rein und hab nen ganz schönen Terz veranstaltet, so dass es alle hören konnten und ihr zwischen den Zeilen sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass sie nicht gerade die hellste ist, wenn Sie Formbriefe rausschickt nur, damit Sie sich ihren Posten sichern kann, ohne sich die betreffende Akte durchgelesen zu haben. Nach dem Schluss-Satz, dass die übergeordnete Stelle die Umschulung genehmigt hat und „sie“ sich daher ihren „Wisch“ sonstwo hinstecken kann, da ich ansonsten rechtliche Schritte einleiten werde, hatte ich Ruhe.

  5. 27. April 2014 at 20:57

    Irgendwie wundert mich das nicht, was ich hier lese.

    Nur mit dem Unterschied, das ich vom Jobcenter keinerlei Bewerbungsvorschläge bekommen habe – abgesehen bei den vierteljährlichen Kaffekränzchen.

    Aber es ist echt schon Hammer, was manche ‚Sachbearbeiter‘ und ‚Berater‘ sich erlauben.

  6. Britta
    27. April 2014 at 19:20

    Hallöchen!
    Ich weiß nicht ob das noch aktuell ist, da ich aber mal ein ähnliches „Problem“ hatte, habe ich bei meinem damaligen Sachbearbeiter nachgefragt. Von ihm habe ich erfahren, das die Stellenangebote nicht unbedingt von ihm kommen-selbst wenn sein Name angegeben ist! Er hat mich sogar gebeten, wenn sittenwidrige Gehaltsangebote angegeben sind, ihn zu kontaktieren!
    Viell. liegt bei dir ein ähnlicher Sachverhalt vor!
    Liebe Grüße, Britta

  7. 27. April 2014 at 16:26

    Das kenne ich noch. Als ich letztes Jahr anfang Dezember meine Kündigung erhielt, bekam ich laufend Aufforderungen mich irgendwo zu bewerben.

    Ich hatte beim Arbeitsamt angegeben, das ich aus Gesundheitlichen Gründen (Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich) nicht permanent in den Fernverkehr könnte, da die Übernachtung im LKW für mich mit Schmerzen verbunden ist.

    Was bekam ich? Aufforderungen zur Bewerbung bei Firmen die ausschließlich im Fernverkehr tätig waren. Und das zu Löhnen die das Hartz IV Niveau deutlich unterschritten.

    Das ich zu dem Zeitpunkt meiner Meldung noch Erwerbstätig war, interessierte das Arbeitsamt auch nicht. Ich sollte während meiner Arbeitszeiten zu den Vorstellungsgesprächen gehen, sonst hätte auch ich mit Konsequenzen zu rechnen. Hinzu kam, das die von mir etliche Bewerbungen sehen wollten. Wobei ich allerdings sagen muss, das ich in den 18 Jahren die ich jetzt am Fahren bin, nicht eine geschrieben habe. Entweder ich habs per Anruf erledigt, das ich eine neue Stelle bekam, oder man fuhr bei den Firmen vorbei. Und genauso halte ich das heute noch.

    Bewerbungsaufforderungen des Arbeitsamtes habe ich meistens mit der Begründung abgelehnt, das diese entweder aus Gesundheitlichen Gründen oder aus Finanziellen Gründen für mich nicht in Frage kamen.

    Den größten Hammer hat sich das Arbeitsamt in Meschede geleistet. Meine Daten wurden an ein Taxi Unternehmen weitergeleitet, weil ich ja den großen ADR Schein hätte. Ich weiß zwar nicht was Taxi fahren mit Gütern zu tun hat die unter das ADR Recht fallen, aber naja. Die Tante von dem Unternehmen wollte mich damit locken das ich ja schließlich einen Mercedes fahren könnte, als ich dankend ablehnte.

    Ich weiß nicht was für Hammerwerfer beim Jobcenter arbeiten, denn eine andere Aufforderung zur Bewerbung war bei einer Firma in Herne Nahverkehr auf einem Containerzug. Anfahrt zur Firma rund anderthalb Stunden hin und die gleiche Zeit noch mal zurück. War dem Unternehmer logischerweise zu weit.

    • 27. April 2014 at 16:36

      In oben genanntem Fall kamen sogar Aufforderungen, sich bei Firmen zu melden, die mit 12 Tonnern im intern. Fernverkehr unterwegs sind und als Sahnehäubchen ein Verdienst, der, wie Du schon sagtest, Hartz 4 Niveau hat.

      • 27. April 2014 at 16:55

        Das Problem ist meistens, das diese „Jobangebote“ ungeprüft übernommen werden.

        Die Arbeitgeber haben die Möglichkeit Ihre freien Stellen im „Anzeigenmarkt“ des Arbeitsamtes selber einzutragen und kein Angestellter des Arbeitsamtes / Jobcenters kontrolliert was da eingetragen wurde.

        Man greift einfach mal auf diesen Stellenpool zurück und verschickt diese als Aufforderung sich da zu bewerben ansonsten müsse man mit Konsequenzen rechnen.

        Lustig war, als ich mal so einen von der Hotline fragte wie ich denn zu Vorstellungsgesprächen kommen soll, wenn ich zum fraglichen Zeitpunkt gar nicht in Deutschland bin. Seine Antwort war nur, das ich dann halt zurück kommen müsse, damit ich zu dem Termin erscheinen könne….

        • 27. April 2014 at 17:01

          In diesem Fall kam das Aufforderungsschreiben direkt vom Berater. Das war ja das Schlimme. Und bei ihm wurde auch angegeben, welche Firmen absolut nicht in Frage kommen, von denen man ein Stellenangebot bekommen wollte. Aber das ist in diesem Fall übergangen worden!

          Mal eben so zurück kommen??? Aber sonst haben die keinerlei Probleme oder? In dem Fall sieht man doch klar, dass die keinerlei Ahnung von dem haben, was die da machen.

          • 27. April 2014 at 17:03

            Meine Aufforderungen bekam ich auch von meiner Zuständigen Beraterin. Auch dort habe ich angegeben das ich einen Bandscheibenvorfall habe und deswegen das Übernachten im LKW nicht machbar ist, da ich sonst krankheitsbedingt ausfalle.

            Und seltsamerweie bekam ich nur Aufforderungen für Firmen die nur im Fernverkehr tätig sind. Klar das ich mich da auf eine Stelle im Nahverkehr beworben habe 😀

            • 27. April 2014 at 17:06

              Da ist es doch nicht verwunderlich, dass man dann auf den Gedanken kommt, dass die das mit Absicht machen und absichtlich keine Rücksicht auf den AN nehmen wollen!!

              • 27. April 2014 at 18:04

                Ja das Gefühl hatte ich. Vor allem das die mich verarschen wollten, weil es zum größten Teil nur Zeitarbeitsfirmen waren, die Fahrer suchten.

                Und für den Fernverkehr bin ich leider aufgrund meiner Internationalen Erfahrung „zu qualifiziert“ als das man mich in den Nahverkehr stecken könnte….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.