Die Sache mit der verkürzen Wochenruhezeit

Erschreckend, wie viele Fahrer (und vor allem: Chefs und Disponenten) die Sache der verkürzten Wochenruhezeit immer noch nicht begriffen haben bzw. nicht begreifen wollen.

Die VO EG 561/2006 Artikel 8 Nr. 6 sagt ganz klar
„(6) In zwei jeweils aufeinander folgenden Wochen hat der Fahrer mindestens folgende Ruhezeiten einzuhalten:
– zwei regelmäßige wöchentliche Ruhezeiten oder
– eine regelmäßige wöchentliche Ruhezeit und eine reduzierte wöchentliche Ruhezeit von mindestens 24 Stunden. Dabei wird jedoch die Reduzierung durch eine gleichwertige Ruhepause ausgeglichen, die ohne Unterbrechung vor dem Ende der dritten Woche nach der betreffenden Woche genommen werden muss.
(7) Jede Ruhepause, die als Ausgleich für eine reduzierte wöchentliche Ruhezeit eingelegt wird, ist an eine andere Ruhezeit von mindestens 9 Stunden anzuhängen.

Im Klartext:
1. es ist, wenn überhaupt, nur alle 2 Wochen eine Verkürzung der Wochenruhezeit erlaubt!!
2. spätestens vor Ablauf der 3. auf die Verkürzung folgenden Wochen MUSS der Ausgleich erfolgen!!!
3. das Nachholen der Verkürzung kann auch an eine mindestens 9 stündige Tagesruhezeit oder Wochenruhezeit erfolgen!!

Beispiel:
45 Stunden Wochenruhezeit müssten gemacht werden, aber nur 35 Stunden wurden gemacht. Also müssen die 10 Stunden Differen innerhalb von 3 Wochen nachgeholt werden, entweder an eine 9 stündige Tagesruhezeit oder aber an eine Wochenruhezeit!

Wenn der Chef nun verlangt, an zwei Wochenenden hintereinander die Wochenruhezeit zu verkürzen, ist dies VERBOTEN und sollte in keinem Fall von dem Fahrer gemacht werden. Dies wird auch bei einer Kontrolle durch Polizei, BAG usw. empfindlich geahndet!

Aber so lange wir Fahrer nicht über unser Recht und Gesetz Bescheid wissen, geben wir damit jedem Chef/Disponenten die Möglichkeit, uns über den Tisch zu ziehen! Und solchen Chefs muss das Handwerk gelegt werden.
Was ja hier im Kreis Olpe letztes Jahr einen Spediteur getroffen hat und selbst die Revision in dessen Verfahren die Strafe bestätigt hat. Welche in meinen Augen definitiv zu gering ist. Wer als Chef seine Fahrer dermaßen ausnutzt und gegen Recht und Gesetz verstößt, und das nicht einmal…nein…andauernd und immer wieder mit voller Absicht, dem gehört zum einen die persönliche und fachliche Eignung zum Führen eines Speditionsgewerbes aberkannt und somit auch die EU-Lizenz entzogen!!! Auf Lebzeiten ohne eine Chance auf einen Neuerwerb.
Was solche Chefs machen ist nicht nur menschenverachtend, sondern auch hochgradig gefährlich und gehört mit allen Mitteln unterbunden!!!

Also:

Zwei verkürzte WRZ hintereinander sind nicht möglich – wenn eine Verkürzung in Anspruch genommen wird, muss die WRZ der Folgewoche wieder eine normale (auch „regelmäßige“ genannt) sein. Im Beispiel legt der Fahrer in Woche 1 eine verkürzte WRZ ein – gegenüber dem Soll von 45 Stunden reduziert er um 11,5 Stunden auf 33,5 Stunden. Diese 11,5 Stunden muss der Fahrer innerhalb der dritten Folgewoche ausgleichen (kein Splitting!). Der Ausgleich findet statt, indem die Differenz an eine mindestens neunstündige Ruhezeit angehängt wird – somit kann auch eine tägliche Ruhezeit verlängert werden.

8 comments for “Die Sache mit der verkürzen Wochenruhezeit

  1. Heiko Otto
    8. August 2017 at 11:40

    Ich habe eine Frage, darf mein Chef verlangen das ich an meinem Heimatort meine wöchentliche Ruhezeit verkürze? Oder am Standort des Lkw?

    • 8. August 2017 at 18:23

      Ja das darf er. Natürlich immer im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen.

      Das Direktionsrecht, das auch Weisungsrecht genannt wird, ergibt sich aus § 106 Gewerbeordnung (=GewO) bzw. § 315 Bürgerliches Gesetzbuch (=BGB). Es stellt das Recht des Arbeitgebers dar, dem Arbeitnehmer im Rahmen des Arbeitsvertrages bestimmte Aufgaben zuzuweisen. Das Direktionsrecht zählt zu den Rechtsquellen des Arbeitsverhältnisses. Es handelt sich hierbei um ein Gestaltungsrecht, das der Arbeitgeber nicht nur einmalig ausübt, sondern immer wieder ausüben kann. Es ist auch notwendiger Bestandteil des Arbeitsvertrages, da sich der Arbeitnehmer in der Regel mit dem Abschluss des Arbeitsvertrages zur weisungsgebundenen Arbeitsleistung verpflichtet.

  2. Andy
    12. März 2017 at 15:42

    Wir fahren Linienverkehr bis 50 km im Landkreis. Einige meiner Kollegen hatten vor kurzem ihr erstes Modul absolviert und ihnen wurde erzählt das wir 10 Tage am Stück fahren dürfen. Wenn ich so was höre schwillt mir der Hals. Das schlimme daran die meisten glauben den Schwachsinn und keiner macht sich schlau um genau zu wissen was darf ich und was nicht. Ich hab demnächst meine erste Schulung und hab mich sehr gut vorbereitet. Das wird ein Spass……..aber nicht für den Fahrschullehrer

  3. Oliver Euler
    22. November 2015 at 17:54

    Sorry,ein Ausgleich kann nur an eine Tagesruhezeit ( 13/11 ) angehängt werden.Nicht an eine verkürzte Tagesruhezeit (15/9 ).

    • 22. November 2015 at 18:05

      Das ist falsch!
      Artikel 8 Nr. 7 der VO EG 561/2006 besagt:
      “ (7) Jede Ruhepause, die als Ausgleich für eine reduzierte wöchentliche Ruhezeit eingelegt
      wird, ist an eine andere Ruhezeit von mindestens 9 Stunden anzuhängen.“

      • 22. November 2015 at 18:45

        Steht ja auch so bereits im Text. Aber wer lesen und das gelesene auch verstehen kann ist wie immer klar im Vorteil!

  4. Rainer
    18. Oktober 2015 at 10:32

    Eigentlich sollten wir alle uns längst massiv gegen diese Praxis zur Wehr setzen, aber es bleibt meist bei Einzelaktionen weniger Fahrer, die dann halt die schlechteren schweisstreibenderen Touren regelmässig bekommen.

    Solange die Disponenten und die Unternehmer nicht mit vielfach höheren Sanktionen bedroht und geahndet werden wird sich nix ändern.

    Und haben wir erst einmal de Flüchtlinge qualifiziert, steht dem Fortbestand der Billigstlohngruppe auch nix im Weg. Ab und an ein zwei drei vier Tote auf der Autobahn, wen interessiert es denn? Redet heute noch einer von den beiden Polizisten die in ihrem Dienstfahrzeug starben?

    Es muss, um ein menschenwürdiges Arbeitsverhältnis zu haben, der Druck aus der Logistik genommen werden. Aber ausser uns Fahrern hat daran niemand ein wirkliches Interesse.

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