Unwissenheit Kontrollorgane vs. Kraftfahrer

Man sollte meinen, dass Kontrollen des Schwerlastverkehrs in Bezug auf die Transportsicherheit in ganz Deutschland einheitlich sind.

Die Realität sieht leider anders aus. Ein Lkw der in Nordrhein Westfalen angehalten und kontrolliert wird, darf die Fahrt erst fortsetzen, wenn die Ladung mit Spanngurten und Kantenschutz nachgesichert wird. Ein zweites Mal in Niedersachsen angehalten, gibt es erneut Ärger, weil die Beamten der Meinung sind, die Ladung ist nicht zurrfähig und kann nur über Formschluss, Antirutschmatten und den Fahrzeugaufbau gesichert werden.

Den Ausbildungsstand von Kontrollorganen zum Thema Ladungssicherung, muss man einfach in Frage stellen, wenn man sich folgenden Fall ansieht.

Hier weiterlesen: Untersagung der Weiterfahrt

Unfassbar, dass die kontrollierenden Beamten dermaßen unqualifiziert und vor allem nach unterschiedlichen und scheinbar wahllosen Kriterien kontrollieren. Da kommt der Eindruck auf, dass hier einfach nach dem Motto „Hab da mal was gelesen. Könnte ja richtig sein.“ verfahren wird!

Deswegen bin ich dafür, dass auch die kontrollierenden Beamten regelmäßig Schulungen in Ladungssicherung absolvieren!!

Aber….leider muss man aber auch dazu sagen, dass viel zu viele Fahrer ohne richtige LaSi-Kenntnis unterwegs sind.
Fragen wie:
1. Was ist ein Lastverteilungsplan und liegt dieser bei den Fahrzeugpapieren bei?
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Bildquelle: BG Bau

2. Was ist der Unterscheid zwischen kraft- und formschlüssiger Ladungssicherung?
Formschluß
bedeutet, dass die Ladungseinheiten so geladen werden, dass ein Verrutschen nicht möglich ist. Bsp: Anlegen an die Stirnwand, Staulücken mit Leerpaletten ausfüllen
Zur formschlüssigen Sicherung zählen auch die Varianten des Direktzurrens, wie das Schrägzurren, das Diagonalzurren oder das Zurren mittels einer Kopfbucht oder Seitenschlinge.
Kraftschluss
bedeutet, dass die Ladung durch Erhöhung des Anpressdruckes, und somit durch die Erhöhung der Reibungskräfte, gegen das Verrutschen gesichert wird.
Hierzu zählt das Niederzurren. Beim Niederzurren sind die tatsächlich aufgebrachten Vorspannkräfte (der erhöhte Anpressdruck) und die tatsächlichen Zurrwinkel von ganz entscheidender Bedeutung.

Oder ab welchem Winkel man eine Ladung niederzurren darf und dies auch als solche anerkannt wird. Oder was die rechtlichen Grundlagen der Ladungssicherung sind und wann Zurrmaterial „ablegereif“ ist. Und und und! Die Liste könnte man beliebig lang weiterführen.
Und so lange dieses Halb- und Nichtwissen unter Fahrern herrscht, wird es auch Kontrollorgane geben, die diesen Fahrern das „Blaue vom Himmel“ erzählen. Darin sehe ich die größte Problematik: wenn ein Fahrer bei einer LaSi-Kontrolle den Beamten gegenüber mit richtigem Fachwissen entgegen tritt, hat dieser keine Chance! Und es ist im Zeitalter des Internets so einfach, sich die benötigten Infos zu beschaffen, auch helfen da die Fahrzeughersteller immer weiter (Stichwort Lastverteilungsplan).

Und eines sollte man sich immer vor Augen führen: Wenn man Kenntnis über das Thema Ladungssicherung hat, kann sich auch gegen einen solche inkompetente Kontrolle, wie im Bericht von Martin Hesse beschrieben, wehren. Denn nur mit Handfestem kann man den Kontrollierenden Beamten beikommen!

2 comments for “Unwissenheit Kontrollorgane vs. Kraftfahrer

  1. 2. März 2014 at 20:56

    Und Marcus, genau da liegt das Problem.

    Du kannst in Hamburg mit einem LKW starten, mit einer nach VDI und Dekra im Beisein der Polizei gesicherten Ladung, in Richtung Dortmund fahren und du Erhältst an jeder Polizeiwache die sich auf dem Weg befindet unterschiedliche Ansichten.

    Früher war es noch so, da hatten die Beamten wenigstens noch ein Buch dabei, wo Sie sehen konnten, wie es in etwa auszusehen hätte.

    Mich haben 2 Beamte in Schwerte mit einer Ladung Schnittholz kontrolliert. Sollte die Plane von hinten nach vorne halb aufmachen, damit er die Abicherung nach vorne sehen konnte.

    Ich musste nach Sichern, weil zwischen 2 Paketen eine Lücke von etwa anderthalb Zentimeter waren. Begründung: Die Pakete könnten ja umkippen, da ich nicht ausreichend nach vorne gesichert hätte.

    Das ich allerdings eine Komplettladung drauf hatte, die vorne an der Stirnwand begann und etwa 30 Stellplätze belegte, interessierte den Polizisten nicht im geringsten.

    Blöd ist allerdings, da ab diesem Jahr viele die 95 eingetragen haben werden, kann man uns erst recht einen rein Donnern, da wir ja in Ladungssicherung „geschult“ sind… Was da im Endeffekt geschult wurde, interessiert nicht.

  2. 26. Februar 2014 at 21:15

    Ich glaube, das Du mit Deiner Meinung theoretisch Recht haben magst.

    Praktisch hat der Polizist das letzte Wort! Wenn der der Ansicht ist, das die Ladungssicherung nicht ausreicht, wirst Du wie ein Wasserfall reden können – der Beamte wird trotzdem von der Richtigkeit seiner Meinung überzeugt sein.

    Es sein denn, Du hast Glück, und triffst den einen von Hundert, der sich überzeugen lässt.

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