Der Straßenkönig

Wer fährt so schnell durch Nacht und Wind?
Es ist ein Fahrlehrer, er lenkt geschwind.
Er hat den Schaltknauf wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

„Mein Schüler, was birgst Du so bang Dein Gesicht?“
„Siehst, Fahrlehrer, Du den LKW nicht,
Den LKW mit Anhänger und Schweif?“ –
„Mein Schüler, es ist ein Nebelstreif.“

„Du liebes Kind, komm, fahr mit mir!
Gar schöne Zugmaschinen verspreche ich Dir;
Manch bunte Streifen sind an dem Fahrbahnrand,
Mein Motor hat manch gülden Tank.“

„Mein Fahrlehrer, mein Fahrlehrer, und hörest Du nicht,
Was der LKW mir leise verspricht?“
„Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind!
In dürren Blättern säuselt der Wind.“

„Willst feiner Knabe, Du mit mir fahren?
Meine Zugmaschinen sollen Dich waren schön;
Meine Anhänger führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und fahren und schaukeln Dich ein.“

„Mein Fahrlehrer, mein Fahrlehrer, und siehst Du nicht dort
Des LKWs Anhänger am düsteren Ort?“
„Mein Schüler, mein Schüler, ich seh es genau!
Es scheinen die alten Straßen so grau!“

„Ich liebe Dich, mich reizt Deine schöne Gestalt,
Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“
„Mein Fahrlehrer, mein Fahrlehrer, jetzt hält er dort an!
Der LKW-Fahrer hat uns ein Leids angetan!“

Dem Fahrlehrer grauset´s, er fährt geschwind,
Er hat auf dem Fahrersitz das ächzende Kind,
Erreicht die Fahrschule mit Mühe und Not,
Die Tankanzeige stand plötzlich auf Rot.

(Quelle: Katrin Geiger)

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